Archiv der Kategorie: Allgemein

Bericht zur Bundeskonferenz der JEF Deutschland am 09.10-11.10.2020

Liebe Mitglieder der JEF Hessen,

ihr werdet euch wahrscheinlich an das Versprechen erinnern, dass wir euch bei der Landesversammlung am 27. September gegeben haben. In diesem Jahr wollen wir uns verstärkt und regelmäßig direkt an euch, die Mitglieder der JEF Hessen wenden. Heute schreibe ich euch vor dem Hintergrund des an diesem Wochenende stattgefundenen Bundeskongresses der JEF Deutschland. Aufregend, packend und wegweisend war es. Und ein wahres Glück, dass wir entgegen aller Befürchtungen diese wichtigste aller Veranstaltung der JEF Deutschland als Präsenzveranstaltung in Münster durchführen konnten. Die Organisation muss eine Mammutaufgabe gewesen sein, welche die Aktiven JEFer:innen vom Landesverband NRW und dem Kreisverband in Münster sowie die Mitarbeiter:innen des Bundessekretariats mit Bravour gemeistert haben.

Dieser Bundeskongress ist in vielfacher Hinsicht besonders gewesen. Malte Steuber kandidierte nicht noch einmal als Bundesvorsitzender und wurde von den Delegierten gebührend verabschiedet. Selbstverständlich wird er weiterhin der JEF erhalten bleiben und dem neuen Bundesvorstand mit Rat und Tat zur Seite stehen. Das bringt mich zur wahrscheinlich besten Nachricht, die ich euch von diesem Bundeskongress überbringen kann. Unser geschätztes Mitglied aus Hessen Clara Föller (bis gestern Beisitzerin des alten Bundesvorstandes), wurde mit Ausnahme einer einzigen Stimme von allen Delegierten des Bundeskongresses zur neuen Bundesvorsitzenden der JEF Deutschland gewählt. Ein starkes Ergebnis und ein starkes Signal. Gemeinsam mit der ebenfalls neu in das Amt der Bundessekretärin gewählten Emmeline Charenton aus dem Landesverband Rheinland-Pfalz (ebenfalls bis gestern Beisitzerin im alten Bundesvorstand), wird sie in den kommenden zwei Jahren die Vision der föderalistischen Bewegung mit allen Kräften voranbringen, damit die JEF weiterhin die politische Stimme bleibt, welche überparteilich und überkonfessionell dafür Sorge trägt, dass der Europäische Bundesstaat in immer greifbarere Nähe rückt.

Eines will ich an dieser Stelle betonen. Ja, es sieht vielerorts düster aus. Der Nährboden für die Entzweiung Europas wird größer. Das sollte uns allerdings nicht zu der Annahme verleiten, dass der Nährboden für die von uns geforderte föderale Einigkeit der Völker Europas nicht mindestens genauso stark wachsen würde. Wir sind stark und werden stärker. Ja, wir sind weder reich noch sind wir in der Fläche so gut vertreten, dass wir uns zum jetzigen Zeitpunkt in allen Teilen der Bevölkerung Gehör für unsere Vision des Europäischen Bundesstaates verschaffen könnten. Aber wenn wir uns anschauen, welche enorme Entwicklung die föderalistische Bewegung seit ihrer Gründung vor 70 Jahren genommen hat, lässt uns das großen Spielraum darauf zu hoffen und darauf zu vertrauen, dass die Fortsetzung unserer visionären und besonnenen Arbeit auf kurz oder lang unweigerlich dazu führen wird, dass die Völker Europas bald in einem echten Staat mit einer echten Europäischen Regierung und einem echten Europäischen Parlament in Vielfalt geeint sein werden.

Neben den Wahlen des Bundesvorstands wurden einige wichtige Satzungsänderungen beschlossen sowie inhaltliche Anträge verabschiedet. Die Zeit hat wie so häufig gegen uns gearbeitet, sodass wir leider auch manche Anträge auf den Bundesauschuss im November überweisen mussten. Dort werden dann alle verbliebenen Anträge beraten. Auch der neu gewählte Bundesvorstand wird bei dem Bundesausschuss dann anwesend sein. An dieser Stelle noch einmal ganz herzlichen Glückwunsch an Clara und Emmeline und das neue Bundesvorstandsteam, welches wir in den vergangenen Wochen intensiv kennenlernen konnten. Solltet ihr Anliegen haben, welche direkt die Bundesebene betreffen, dann gab es wahrscheinlich nie einen besseren Zeitpunkt als jetzt, um als Landesverband Hessen auf den Bundesverband zuzugehen und miteinander zu arbeiten.

v.l.n.r. Stefan Schwarz (Delegation Hessen), Friedel Pape (Delegation Hessen), Clara Föller (neue Bundesvorsitzende der JEF Deutschland), Viet-Hoang Nguyen (Delegation Hessen)

Eines noch zum Abschluss. Die Dynamik und Strahlkraft des Bundeskongresses haben mich wieder besonders daran erinnert, warum ich mich in diesem Verband für ein föderales Europa engagiere. Ich hoffe, dass wir den nahenden Winter gemeinsam bewältigen und Konzepte und Räumlichkeiten finden können, in denen wir zumindest in kleinen Runden uns treffen, austauschen und miteinander arbeiten können. Wenn du Lust hast dich im Verband einzubringen, dir aber vielleicht noch der richtige Anknüpfungspunkt fehlt an dem du deine Fähigkeiten und Interessen einbringen kannst, dann lass uns gerne gemeinsam darüber sprechen, was dir der Verband bieten kann und wie wir es schaffen können, dass der #JEFSpirit auch dich ergreift.

Herzliche Grüße
Euer Friedel

Landesversammlung 2020: Post Nubila Phoebus

Die Landesversammlung der JEF Hessen am 27.09.2020 war, wie viele andere Dinge in diesem Jahr, ungewöhnlich und ungewohnt. Weder Brunch noch World-Cafés wurden durchgeführt und die Zahl der eingeladenen Gäste und Grußworte musste stark eingeschränkt werden. Der große (besonders im Vergleich zum letzten Jahr) Veranstaltungsraum ähnelte mit den Einzeltischen eher einem Klausursaal als einer Mitgliederversammlung. Und trotz allem zeigte die rege Teilnahme, dass der JEF Spirit auch in Hessen noch zu spüren ist!

Blick in den Veranstaltungsraum Saalbau Südbahnhof

Wir durften auch in diesem Jahr wieder den ehemaligen Europaabgeordneten und Vorsitzenden der Europa-Union Hessen, Thomas Mann, für ein Grußwort willkommen heißen. Der Bericht des scheidenden Landesvorstands zeigte, dass die Arbeit auch nach Ausbruch des COVID-19 Virus weiterging und neue Wege der Zusammenarbeit gefunden werden konnten. An dieser Stelle ein riesiges Dankeschön an alle ehemaligen Vorstandsmitglieder, die in diesem Jahr nicht erneut zur Wahl angetreten sind aber dafür so vieles im vergangenen Jahr bewegt haben:

Neneh Braum (Stellv. Vorsitzende), Patrick Hintsche (stellv. Vorsitzender), Nataliia Kozinets (Schatzmeisterin), Tim Rautenberg (Beisitzer), Tahireh Panahi (Beisitzerin), Viet-Hoang Nguyen (Beisitzer) und Justin Samek (Beisitzer).

Mit einem so großen Personalwechsel, mussten natürlich einige Abstriche gemacht werden. Nachdem es im vergangenen Jahr sogar Kampfkandidaturen für die Positionen der stellvertretenden Vorsitzenden gab, sah es in diesem Jahr ganz anders aus. Die Landesversammlung entschied sich in diesem Jahr keine stellvertretenden Vorsitzenden zu wählen. Damit besteht der Vorstand in diesem Amtsjahr aus dem Vorsitzenden, dem Schatzmeister und dem Geschäftsführer sowie vier Beisitzer*innen.

Friedel Pape wurde im Amt des Vorsitzenden der JEF Hessen gewählt. Auf ein weiteres starkes Jahr!

Phillip Krassnig wurde zum Schatzmeister befördert, während Stefan Schwarz für das Amt des Geschäftsführers wiedergewählt wurde.

Die vier Kandidat*innen auf das Beisitzer*in-Amt gewannen alle ihre Wahl. Gratulation an Daniel Gerjets, Franziska Schneider, Jordan Elias Vosseler und Yehezkiel Dayen Julio Lasut!

v.l.n.r. Phillip Krassnig (Schatzmeister), Stefan Schwarz (Geschäftsführer), Franziska Schneider (Beisitzerin), Friedel Pape (Vorsitzender), Daniel Gerjets (Beisitzer). Nicht im Bild (in Abwesenheit gewählt), die Beisitzer Jordan Vosseler und Julio Lasut.

Friedel Pape (frisch gewählter Landesvorsitzender) und Clara Föller (zu dem Zeitpunkt bald gewählte Bundesvorsitzende)

Vielen Dank auch an Jakob Rauschert (Vorsitzender der JEF BaWü) und Clara Föller (zum Zeitpunkt der Veranstaltung Beisitzerin im Vorstand der JEF Deutschland und Kandidatin für das Amt der Bundesvorsitzenden der JEF Deutschland) für die tollen Grußworte!

Die Umstände haben sich seit vergangenem Jahr geändert. Da waren ein kleiner Raum und der heiße Sommer das größte organisatorische Problem unserer Landesversammlung. Dieses Jahr mussten wir uns mit Hygienevorschriften, maximalen Teilnehmer*innenzahlen und eingeschränkten Möglichkeiten aus-einandersetzen. Doch unsere Begeisterung für die JEF und wofür sie steht ist dieselbe wie damals. Wir werden Europa nicht im Regen stehen lassen, da nach dem trüben Wetter die Sonne auf uns wartet! Bis dahin bleiben wir am Ball!

 

#JEFspirit

 

Tätigkeitsbericht 2019-2020

 

Appell an die Hessische Europaministerin

Distanzieren Sie sich von Ihren zynischen Aussagen und setzen Sie sich für die Evakuierung der Menschen und die Bewahrung ihrer Würde ein!

 

Sehr geehrte Frau Puttrich,

in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung vom 10. September 2020 sprechen Sie sich gegen eine Aufnahme von Geflüchteten aus dem Camp Moria in Griechenland aus. Sie sagen: „Die Bilder des brennenden Flüchtlingscamps lassen uns auch fragen, was einige Menschen dazu bringt, ihre sichere Unterkunft in Europa anzuzünden.“ Sie sprechen davon, dass das Camp Moria für die dort lebenden Menschen eine sichere Unterkunft in Europa sei. Diese Aussage verkennt die menschenunwürdigen Verhältnisse in dem seit Jahren restlos überfüllten Camp. So sagte der Bundesentwicklungsminister Müller (CSU) im gestrigen „Brennpunkt“ in der „ARD“ zu dem Camp Moria: „Das ist ein Gefängnis. Flüchtlinge werden eingepfercht wie Verbrecher.“

Darüber hinaus sagen Sie im Interview: „Dieser Gewaltausbruch einiger darf nicht belohnt werden. Weder durch eine Verlegung in andere europäische Länder noch bei der Dauer oder dem Ergebnis des Asylverfahrens.“ Es geht darum der Verantwortung und Verpflichtung gerecht zu werden, im Falle einer existenziellen Katastrophe alles politisch Mögliche zu tun, um den betroffenen Menschen zu helfen und sie aus dem Elend und der Not in Moria zu befreien. Mit Ihrer Aussage stellen Sie alle in Moria lebenden Menschen unter Generalverdacht und missachten damit zentrale europäische Werte, wie die Achtung der Würde des einzelnen Menschen. Außerdem bestärken Sie mit Ihrer Rhetorik rechtspopulistische Standpunkte und Argumente, da Sie tausende Geflüchtete kriminalisieren und für ihre Situation als selbst verantwortlich stigmatisieren.

Sie treten dafür ein, dass die EU gemeinschaftlich Verantwortung tragen solle und alles dafür tun müsse, „die Bedingungen in diesen Einrichtungen zu verbessern“. Das Flüchtlingscamp in Moria ist allerdings schon lange keine menschenwürdige Einrichtung mehr und niemandem ist vor Ort mit Hilfsmitteln alleine wirklich geholfen, vor allem auch, da das Coronavirus in Moria um sich greifen konnte. Es kommt jetzt darauf an, dass das Camp evakuiert wird. Daher fordern wir als Junge Europäische Föderalisten von Ihnen,

1. dass Sie sich von Ihren zynischen Aussagen im Interview vom 10. September distanzieren;

2. dass Sie Einfluss auf die Hessische Landesregierung nehmen und sich im Kabinett dafür einsetzen, dass Hessen freiwillig Geflüchtete aus Moria aufnimmt;

3. dass Sie Einfluss auf die Partnerregionen Hessens in Europa nehmen und dafür werben, dass auch diese Regionen zusätzliche Geflüchtete aufnehmen und dem hessischen Beispiel folgen;

4. dass Sie im Ausschuss der Regionen der EU darauf hinwirken, dass sich auch andere Regionen Europas für eine Aufnahme von Geflüchteten in Moria entscheiden;

5. dass Sie im Bundesrat eine Initiative einbringen oder unterstützen, welche die Bundesregierung dazu aufruft, sich für eine Gemeinsame Asyl- und Migrationspolitik in der EU einzusetzen.

Die Jungen Europäischen Föderalisten setzen sich für eine Reform der Asyl- und Migrationspolitik der Europäischen Union ein. Wir missbilligen aufs Schärfste das Verfehlen eine einheitliche Regelung zu finden, um die Abschiebung in einen Mitgliedstaat dessen Asylsystem zusammengebrochen ist oder nicht den ausreichenden Schutz bieten kann zu stoppen, sowie die weitere Aufrechterhaltung der unsolidarischen Erst-Land-Regel in der neuen Dublin III-Verordnung.

Wir fordern stattdessen die Aufhebung der Drittstaaten-Regelung sowie der Erst-Land-Regelung gemäß der Dublin-III-Verordnung und einen solidarischen europäischen Verteilungsschlüssel nach nachvollziehbaren Faktoren, wie etwa der Einwohnerzahl, dem Bruttoinlandsprodukt und den berechtigten Wünschen des Antragstellers. Dieser würde zur Entlastung überproportional betroffener Staaten führen und zugleich mehr Planbarkeit für Aufnahmekapazitäten und Asylverfahren ermöglichen. Mithin würde sich so auch die Situation für die Asylsuchenden wesentlich verbessern. Wir fordern eine europäische Asylbehörde zur Umsetzung dieses Verteilungsschlüssels.

Wir freuen uns auf eine Antwort Ihrerseits!

Mit freundlichen Grüßen
Im Namen der Jungen Europäischen Föderalisten Hessen

Friedel Pape – Landesvorsitzender

JEF Hessen vs. Covid-19: Wie gehen wir mit der Krise um?

Die föderalistische Perspektive in der Covid-19-Krise

Mit der andauernden Corona-Krise wird abermals deutlich, dass viele Herausforderungen unserer Zeit nicht allein durch nationalstaatliches Handeln bewältigt werden können, sondern supranationale Konzepte benötigen. Doch mit jeder Herausforderung, ob bei der Finanzkrise, dem Klimawandel, der koordinierten Aufnahme von Geflüchteten oder eben bei der derzeitigen Pandemie verlieren sich die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union erneut in Uneinigkeit und handeln in erster Linie getrennt voneinander.

Mit einer gemeinsamen Krisen-Koordination in Europa hätten willkürliche Maßnahmen verhindert und von Beginn an schnelle und wirksame Lösungen gefunden werden können. In dieser Krise zeigt sich in besonders drastischer Weise, dass die intergouvernementale Arbeitsweise der Europäischen Union nicht mehr zeitgemäß ist und durch supranationale Strukturen ersetzt werden muss.

Wir Jungen Europäischen Föderalistinnen und Föderalisten fordern die Nationalstaaten auf, endlich aus den vergangenen Fehlern und Krisen zu lernen, nationale Denkmuster zu überwinden und den Weg für starke supranationale Institutionen auf der europäischen Ebene frei zu machen. Die EU-Institutionen müssen nun zeitnah mit weiteren demokratischen und in den EU-Verträgen festgelegten Kompetenzen ausgestattet werden, um langfristig die Handlungsfähigkeit der europäischen Demokratie in Krisenzeiten zu sichern.

Kurzfristig hat die Bewältigung der momentanen Krise höchste Priorität. Erste wichtige Bemühungen der EU-Institutionen – wie beispielsweise die Bereitstellung des Europäischen Stabilitätsmechanismus, der auch in Zukunft weiter als Krisenfonds fungieren sollte, und die Errichtung von „Green-Lanes“ zum effizienteren Warenverkehr für essentielle Güter – sowie die grenzüberschreitende Forschung nach einem Impfstoff zeigen einen richtigen Weg auf. Darüber hinaus müssen auch weitere Kooperationen im Gesundheitsbereich, wie die europaweite Bereitstellung medizinischer Ausstattung sowie die Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitssystemen der Mitgliedstaaten stetig vertieft werden.

Schon der Gründungsmythos der Jungen Europäischen Föderalisten – der Grenzsturm am deutsch-französischen Übergang in St. Germanshof 1950 – zeigt, dass offene Grenzen im europäischen Raum für uns das wichtigste und erste Symbol europäischer Kooperation darstellen. Unter Anerkennung der Vorteile einer temporären Grenzschließung, setzen wir uns in für eine baldige Wiedereröffnung der Grenzen im Schengen-Raum ein.

Mit Bedauern stellen wir fest, dass die gegenwärtige Krisensituation andere alarmierende Ereignisse in der EU überschattet. Es ist nicht hinnehmbar, dass in EU-Mitgliedsstaaten wie Ungarn und Polen anti-demokratische Kräfte die Krise ausnutzen, um demokratische Institutionen auszuhebeln. Die EU-Institutionen müssen geschlossen deutlich machen, dass die derzeitige Krise nicht das Ende unserer gemeinsamen Grundwerte bedeuten darf.

Zu diesen Grundwerten zählt auch das Recht auf Asyl. Diesem Grundwert zum Trotz, ist die Situation in den Flüchtlingsunterkünften an den europäischen Außengrenzen, vor allem in den Flüchtlingslagern in Griechenland, Libyen und der Türkei, nicht mit den Grundwerten der Europäischen Union zu vereinen und erfordert jetzt eine europäische Lösung, die den Grundwerten der europäischen Gemeinschaft gerecht wird.

Für das langfristige europäische Krisenmanagement ist die Etablierung von Euro-Bonds, die in jeder Krise von den betroffenen Mitgliedstaaten gefordert und nach der Krise vergessen werden, wesentlich. Die Zusammenarbeit der europäischen Mitgliedstaaten im Geld- und Finanzsektor würde wirtschaftlich schwächeren EU-Mitgliedern in jeglicher Krisensituation helfen und den nächsten Schritt in der europäischen Integration darstellen.

Die politische Plattform der JEF ist auf den Prinzipien der Subsidiarität, Demokratie, Solidarität, Nachhaltigkeit und Transparenz aufgebaut. Die bereits existierende Verflechtung Europas erfordert mehr Diskussionen über langfristige Lösungsansätze, sowohl um aus dieser und zukünftigen Krisen herauszukommen als auch darüber, wie es in Europa weitergehen soll. Als Europäerinnen und Europäer sind wir davon überzeugt, dass wir solche Krisen nur gemeinsam überwinden können. Wenn wir aus dieser Krise geeint und gestärkt hervorgehen wollen, müssen wir akzeptieren, dass wir #BesserZusammen sind und #EuropeUnited jede Krise überwinden kann!

Der Umgang der JEF-Hessen mit der neuen Wirklichkeit

Trotz geschlossener Staatsgrenzen bleibt der transnationale Austausch auch weiterhin ein Grundpfeiler unserer jugendpolitischen Arbeit. Mit mehreren hessischen Sektionen nehmen wir an dem europaweiten JEF Twinning-Programm zur Vernetzung der europäischen Jugend teil. So stehen bereits jetzt schon die JEF in Frankfurt mit der GFE Verona sowie unsere JEF Sektion in Marburg mit JEF Toulouse in engem Kontakt. Dass der europäische Austausch eine wichtige Säule unserer Arbeit ist, zeigt sich auch an fortlaufenden Webinarreihen rund um aktuelle politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragen in Europa, an denen neben anderen europäischen Sektionen und Partnern auch immer wieder Europa-Politikerinnen und -Politiker teilnehmen. Eines wird dabei für uns ganz deutlich: Das Internet macht aus jeder europäischen Veranstaltung eine lokale Veranstaltung, weil sie genau dort stattfinden kann, wo sich Interessierte dazu schalten wollen. Sei es am Schreibtisch, auf der Terrasse oder im Bus: Digital heißt lokal für alle.

Trotz einem schnellen Übergang zu unseren digitalen Angeboten, muss aufgrund der Vielzahl von unterschiedlichen Veranstaltungsformaten der JEF auch für die Formate eine Lösung gefunden werden, bei denen die persönlichen Begegnungen vor Ort entscheidend waren. Nicht für jede Veranstaltung, die zu Beginn der Krise noch geplant war, konnte schnell eine Ersatzveranstaltung gewährleistet werden: dass das European Youth Event in Brüssel abgesagt werden musste, traf uns beispielsweise sehr.

Die Suche nach neuen digitalen Veranstaltungsformaten und der Erfahrungsaustausch zur Umsetzung dieser wird dabei intensiv durch eine wöchentlich stattfindende verbandsinterne Online-Akademie “Verbands:stoff Online” der JEF-Deutschland begleitet.

Für das hessische Bildungsprojekt 1040 Berlaymont, das durch die Europaabteilung der Staatskanzlei gefördert wird, konnte mit viel Einsatz der ehrenamtlichen Aktiven jedoch schnell ein digitaler Ersatz geschaffen werden. Mit dem schon Kultstatus erreichten Modul “Wer regiert die EU” haben Schülerinnen und Schüler nun auch in Zukunft die Möglichkeit sich intensiv mit dem Zusammenspiel der EU-Institutionen auseinanderzusetzen. Durchgeführt wird dieses Modul unter anderem. in der Webinarreihe von „Europe@School“ am 15. Mai 2020. Unabhängig von diesem Termin können hessische Schulen auch individuell einen Termin für den digitalen 1040-Berlaymont-Workshop mit uns ausmachen.

COVID-19: Important Lessons from an Awful Pandemic

Make no mistake, the 2020 pandemic of COVID-19 is a severe threat to our societies and can bring much hardship to those directly or indirectly affected. It is a matter of life and death and governments are right to take unseen and drastic measures to slow down its spread such that public health infrastructure does not collapse. Despite the dramatic situation, there also exist opportunities in this crisis to better manage future global challenges such as climate change:

1. We are all in the same boat. In 2019, many young people went to the streets calling for climate justice. Their generation will be most affected, while older cohorts today will not live to see the consequences. Despite the protests and much media attention, sales of SUVs in Germany were higher than ever before. With COVID-19, the situation is reversed. Older people are at a much higher risk of dying than young ones. Still, everyone is asked to limit her or his daily life in order to protect more vulnerable members of society. These times might help us realize that we are all in the same boat.

2. Solidarity is key. In order to limit economic hardship and to prevent social unrest, governments and institutions must take bold action. The mistakes of the European Debt Crisis (too-little-too-late, no eurobonds, no solidarity) must not be repeated. Instead, international institutions should immediately roll out unlimited emergency lending to countries in need; such that COVID-19 can be combatted and contained. Likewise, the EU should grant unlimited guarantees to its member states. Furthermore, governments are right to support companies and to prevent bankruptcies. But as many people also work as freelancers or in flexible/grey working conditions, a one-time lump sum transfer (helicopter money) of EUR 1,000 to each individual might also be appropriate. This could prevent social unrest. Hopefully, we realize early enough that solidarity is key .

3. Our actions matter. With COVID-19, we can see how our actions matter after only a couple of days. Closing schools and restricting social life slows down the spread of the disease. Not taking any actions can lead to a collapse of public health infrastructure. For climate change, the situation is much different. What we do today (or rather what we fail to do today) manifests only years or decades later. Nonetheless, bold action today is absolutely crucial. Hopefully, COVID-19 helps us realize that our actions matter.

4. We need strong governments. Governments and politicians are often criticized. Some people even question whether we need a government or state at all. With COVID-19, the need for government is evident: central coordination, decision making, and enforcement in times of crisis – all in the best interest of the overall society. For climate change, the situation is very similar. We need governments to prevent damage to our societies, future generations, and the planet as a whole. This can only happen through making new regulations and enforcing them. Hopefully, COVID-19 reminds us why we need strong governments.

5. Profit is not the only important goal. The zeitgeist of the last three decades has been heavily influenced by privatization and laissez-faire economic policies, commonly known as neo-liberalism. It sparked reforms that focused on efficiency, economic profit, and shareholder value. Other aspects like social equity, resilience, or well-being were neglected. Decisions, such as (i) outsourcing almost all pharmaceutical production to India and China, (ii) leaving important research after SARS entirely to the private sector, or (iii) privatizing hospitals to have them focus on commercially attractive operations, were not made to improve health care for our societies. They were made to improve profits and to raise shareholder value. The COVID-19 crisis demonstrates just how bad an idea this was. Therefore, we should now re-evaluate profitability-driven concerns about climate change policy. Yes, profitability is important, but hopefully, COVID-19 convinces us that there are many more aspects and that profit is not the only important goal.

6. Uncontrolled globalization can be bad. High interconnectivity can lead to mass breakdowns in times of a crisis (like now, with all pharmaceutical production being in India and China). Local production might be a bit more expensive but can produce a much safer system. There are many valid reasons to criticize the EU’s subsidies for agriculture, but they ensure that European citizens do not depend on food imports from abroad. This is an important but hard-to-quantify aspect. Additionally, local production reduces (environmental) costs of transport and can strengthen local economies. And there is another important aspect of too much globalization: it creates a few thousand very BIG winners (the global elite), and billions of people that relatively lose out. Members of the global elite often live in their own cosmopolitan bubble, jet-set around the world, can afford sending their children to expensive boarding schools and universities (that cost more than USD 100,000 per student per year), but are completely out of touch with common people in the countries where they originate from. This trend has increased throughout the last three decades and can undermine social stability. It is thus important to realize that uncontrolled globalization can be bad.

7. Digitalization boost for Europe. The old continent has been skeptical and slow in adapting new technologies. Having to work from home for a few weeks will demonstrate the usefulness of laptops, company phones, and mobile working facilities. Likewise, business travel is extremely limited and video conferencing will be used as an alternative. Although not everything will work from the very beginning, employees and companies will quickly get used to these technologies and will see their usefulness. As terrible as this pandemic is, COVID-19 can improve mobile working conditions and limit business travel in the long run. Overall, it can lead to a much-needed digitalization boost for Europe.

8. Kick-start of global climate action. COVID-19 is one of the biggest crises we have seen in our lives so far. But the climate crisis evolving can be much, much worse. To prevent this, we must act now! COVID-19 shows us how fast governments can act if they have to: many international flights were cancelled and traveling dropped dramatically in China and Italy. At the same time, air quality improved in these countries as travel-related nitrogen and carbon dioxide emissions decreased. It is important that governments protect the economy and prevent individual economic hardship. At the same time, governments should use this unique opportunity to impose stricter emission restrictions than before the COVID-19 crash. This could be implemented through daily allotments for international and domestic flights and stricter limits on other ecologically negative and non-life-essential behavior (holiday
cruise ships, etc.). Additionally, they should agree internationally – and if that is not possible, Europe or just Germany should start – with collecting Pigouvian taxes for the damages of the external environmental costs of transports (particularly international shipping and air freight). COVID-19 is a horrible pandemic amidst us and we need to do everything to stop it as soon as possible. But we need to accept it as a reality and can still use it as the kick-start of global climate action.

Jan Radermacher (27) is Data Scientist at ING Analytics and PhD Candidate at Goethe University Frankfurt. The views in this article are his own and do not necessarily reflect those of his employers or JEF.

An die Stifte, fertig… Europa!

Die Stammtische und Get-Togethers der JEF-Hessen (Frankfurt, Darmstadt, Mainz-Wiesbaden, Marburg, Kassel) organisieren einen Schreibwettbewerb! Du findest ein aktuelles Thema im europäischen Diskurs findet zu wenig Beachtung oder hast eine interessante persönliche Story über deine Erfahrungen mit der EU, die du teilen möchtest? Dann sende uns bis zum 28.02. einen Text, den wir über die JEF-Hessen Website und unsere Social Media-Kanäle teilen. Die interessanteste und spannendste Einreichung bekommt dann beim nächsten Stammtisch oder Get-Together als Preis einen Freiverzehr in Höhe von 10€.

 

Regeln:

– Thematisch und stilistisch sind dir keine Grenzen gesetzt, solange dein Beitrag irgendeinen Bezug zu Europa oder der EU hat.

– Dein Beitrag sollte weder zu kurz noch zu lang sein. Eine Word Seite ist ein guter Maßstab, wobei wir auch ein Auge zudrücken wenn der Text etwas kürzer oder länger ist. Mehr bedeutet aber nicht automatisch besser.

– Sende uns den Beitrag in einer E-Mail (als Text in der Mail oder im Anhang als pdf ) an info@jef-hessen.de. Wenn du anonym bleiben möchtest, schreibe das bitte dazu. Wir posten den spannendsten Beitrag dann auf unserer Website und Social Media-Kanälen. Wenn du möchtest, geben wir den Beitrag auch an das Webmagazin der JEF, Treffpunkt-Europa weiter.

– Die Auswahl des besten Beitrags wird vom Vorstand der JEF-Hessen getroffen. Da das auch für uns eine neue Aktion ist, sind Format und Auswahlkriterien noch recht flexibel und können sich beim nächsten Mal ändern. Die „besten“ Beiträge werden aber voraussichtlich solche sein, die Europa oder die EU aus einem kreativen Winkel betrachten oder eine relevante Message enthalten. Natürlich können aber auch gut geschriebene Analysen aktueller Ereignisse den Wettbewerb gewinnen!

– Der Gewinner oder die Gewinnerin kann den Preis beim nächsten Stammtisch bzw. Get-Together in Frankfurt, Darmstadt, Mainz-Wiesbaden, Marburg oder Kassel einlösen.

– Falls ihr fragen habt, könnt ihr sie gerne unter diesem Post stellen.

 

Vielen Dank im Voraus an alle Teilnehmer*innen und viel Erfolg!

„Wir leben immer noch im Jahr 1989“ (WELT)

Auf Initiative der Europa-Union Frankfurt am Main kamen Vertreter*innen der Zivilgesellschaft aus Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn anlässlich des Mauerfalls zu einem Pressegespräch in Berlin zusammen. Die Aktivist*innen wurden bereits im Frühjahr im Rahmen einer Veranstaltung zur Europawahl nach Frankfurt am Main eingeladen. An dem Pressegespräch im Axel-Springer-Haus nahm neben dem Vorsitzenden der Europa-Union Frankfurt am Main, Klaus Klipp, auch EUD-Generalsekretär Christian Moos teil.

“Wir im Westen sollten genauer als bisher auf die komplexen gesellschaftlichen Prozesse in den mittel- und osteuropäischen Staaten blicken, statt dort nur die Düsternis wahrzunehmen. Möglicherweise liegt die Hoffnung auf eine Erneuerung der liberalen Demokratie in ganz Europa ja sogar einmal mehr bei den mit wachsendem Selbstbewusstsein auftretenden zivilgesellschaftlichen Initiativen in Osteuropa.

Wie einst die Dissidenten unter dem Kommunismus die liberale Freiheitsidee zu neuem Leben erweckten, könnte der Impuls für eine Renaissance der westlichen Werte heute von diesen Bewegungen kommen – und zwar gerade, weil die dortigen Gesellschaften bereits jetzt intensive schlechte Erfahrungen mit der autoritären Regression machen.”

Der Artikel „Wir leben immer noch im Jahr 1989“ erschien in der Printausgabe der ‘WELT‘ und ist auch online verfügbar:

www.welt.de/debatte/kommentare/article203053458/Visegrad-Staaten-Wir-leben-immer-noch-im-Jahr-1989.html?wtrid=onsite.onsitesearch

Appell an die Mitglieder des Europäischen Parlaments:

Setzen Sie sich für die Durchsetzung und Weiterentwicklung des Spitzenkandidatenprinzips ein und lehnen Sie Ursula von der Leyen als Kommissionspräsidentin ab!

By: Melanie WENGER
© European Union 2019 – Source : EP

An:

Sven Simon
Michael Gahler
Dr. Udo Bullmann
Martin Häusling
Nicola Beer
Engin Eroglu
Michael Bloss
Jutta Paulus

 

Sehr geehrte Frau …, / Sehr geehrter Herr …,

wir, die Jungen Europäischen Föderalisten Hessen, wenden uns anlässlich der Nominierung Ursula von der Leyens für das Amt des Kommissionspräsidenten und der für Dienstag, den 16. Juli 2019, angesetzten Abstimmung im Europäischen Parlament an Sie.

Wir möchten Sie bitten, sich dafür einzusetzen,

1. dass das Europäische Parlament den Vorschlag des Europäischen Rates, Ursula von der Leyen zur Kommissionspräsidentin zu wählen, ablehnt.

2. dass sich das Europäische Parlament im Anschluss auf einen Spitzenkandidaten als Kommissionspräsidenten einigt. Der Europäische Rat sollte diese Person dann auch offiziell zur Wahl vorschlagen.

3. dass – sollte es im Europäischen Parlament für keinen der Spitzenkandidaten eine Mehrheit geben – der Verhandlungsprozess im Parlament durch eine Kandidatenauswahl und eine öffentliche Debatte demokratischen Wettbewerbsregeln unterworfen ist. Die politischen Entscheidungen der EU-Institutionen müssen transparent sein.

4. dass Ihre europäische Parteienfamilie zur Europawahl 2024 genau eine Spitzenkandidatin oder einen Spitzenkandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten aufstellt.

5. dass – um das Spitzenkandidatenprinzip zu stärken und die demokratische Legitimation der Spitzenkandidaten zu erhöhen – rechtzeitig vor der Europawahl 2024 transnationale Listen eingeführt werden. Auf diese Weise hätten die Bürgerinnen und Bürger in der gesamten EU die Möglichkeit, ihre Stimme der Liste einer europäischen Partei zu geben, die von der Spitzenkandidatin oder dem Spitzenkandidaten der jeweiligen Partei für das Amt des Kommissionspräsidenten angeführt wird.

6. dass für die Wahl des Europäischen Parlaments ein einheitliches europäisches Wahlrecht eingeführt wird, um Wahlgleichheit herzustellen und aus 28 Einzelwahlen eine gemeinsame europäische Wahl zu machen.

7. dass die Verträge dahingehend geändert werden, dass die Entscheidung über die Besetzung des Amtes des Kommissionspräsidenten ausschließlich in der Hand des Europäischen Parlamentes liegt. Das Vorschlagsrecht des Europäischen Rates sollte abgeschafft werden. So wird nicht zuletzt auch der inter-institutionelle Konflikt aufgelöst.

Wir stehen vor einer strukturellen Richtungsentscheidung: Soll die Europäische Kommission aus dem Europäischen Rat oder aus dem Europäischen Parlament heraus bestimmt werden? Wir als Europäische Föderalisten setzen uns nachdrücklich dafür ein, die Besetzung des Amtes des Kommissionspräsidenten unzweideutig in die Hände des Europäischen Parlamentes zu legen, das Spitzenkandidatenprinzip zu vervollständigen und die europäische Demokratie auf diese Weise zu stärken. Gerne möchten wir Ihnen nachfolgend darlegen, warum wir uns für ein echtes Spitzenkandidatenprinzip einsetzen.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie unser Anliegen unterstützen und uns Ihre Gedanken zu den oben genannten Punkten – insbesondere auch zur Vervollständigung des Spitzenkandidatenprinzips durch die Einführung transnationaler Listen und eine Änderung der Verträge – mitteilen. Wir sind sehr interessiert daran, uns auf dieser Basis in den kommenden Monaten mit Ihnen auszutauschen.

Für ein transparentes und demokratisches Europa!

Mit freundlichen Grüßen
Im Namen der Jungen Europäischen Föderalisten Hessen

Friedel Pape
– Landesvorsitzender –

Weshalb wir uns für ein echtes Spitzenkandidatenprinzip einsetzen:

Im Mai 2019 haben wir, die Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union, bei den Europawahlen ein neues Europäisches Parlament gewählt. Die europäischen Parteifamilien (EVP, SPE, ALDE, Europäische Grüne Partei, Europäische Linke, AKRE) gingen mit Spitzenkandidaten für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten in den Wahlkampf, darunter Manfred Weber für die EVP und Frans Timmermans für die SPE.

Die Einführung dieses Spitzenkandidatenprinzips zur Europawahl 2014 war ein historischer Schritt hin zu mehr Demokratie und Transparenz. Auch wenn es sich dabei um ein politisches Prinzip ohne formellen Charakter handelt, war es dazu geeignet, der Wahl des EU-Kommissionspräsidenten mehr demokratische Legitimation zu verleihen. Dieser wird auf Vorschlag des Europäischen Rates der Staats- und Regierungschefs durch das Europäische Parlament gewählt. Das Spitzenkandidatenprinzip stärkt das Europäische Parlament – die einzige direkt durch die europäischen Bürgerinnen und Bürger gewählte Institution. Es verhilft den Europawahlen zu mehr Bedeutung, indem es den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit gibt, mit ihrer Stimme indirekt auch Einfluss auf die Besetzung der Kommissionsspitze zu nehmen.

Mit der unerwarteten Nominierung Ursula von der Leyens für das Amt des Präsidenten der Europäischen Kommission hat der Europäische Rat das Spitzenkandidatenprinzip ausgehebelt.

Obwohl dieser Vorgang den Verträgen (Artikel 17, Abs. 7 EU-Vertrag) entspricht, bricht er mit einem zentralen Wahlversprechen und lässt den Wahlkampf der Spitzenkandidaten und ihre öffentlich geführten Debatten zur Farce verkommen. Von der Leyen ist weder einer breiten europäischen Öffentlichkeit bekannt, noch hat sie sich im demokratischen Wettbewerb den Bürgern als Spitzenkandidatin präsentiert. Als überparteilicher Verband richtet sich unsere Kritik dabei nicht gegen von der Leyen als Person, sondern gegen den Prozess, der zu ihrer Nominierung geführt hat. Durch das Übergehen der Spitzenkandidaten und die Nominierung einer im europapolitischen Kontext unbekannten Person zur Kommissionspräsidentin, untergräbt der Europäische Rat die europaweite öffentliche Debatte um diesen wichtigen Posten und schadet dem so wichtigen Ausbau einer europäischen Öffentlichkeit.

Dass der Europäische Rat mit Ursula von der Leyen eine Person nominiert hat, die weder für das Europäische Parlament kandidiert hat, noch im Europawahlkampf in irgendeiner Weise in Erscheinung getreten ist, gibt den Bürgerinnen und Bürgern das Gefühl, ihre Stimme habe keinen Einfluss, und mindert auf diese Weise ihr Vertrauen in die EU. Dies ist Wasser auf die Mühlen der EU-Gegner. Es besteht die ernstzunehmende Gefahr, dass durch dieses Vorgehen das weit verbreitete Vorurteil, die EU sei undemokratisch und intransparent, verstärkt wird. Zunehmende Politikverdrossenheit und eine Abwendung der Bürgerinnen und Bürger von der EU wären die Folge. Dies wäre besonders tragisch angesichts der Tatsache, dass die Wahlbeteiligung zur Europawahl, die seit der ersten Direktwahl des Europäischen Parlaments 1979 kontinuierlich gesunken ist, bei der diesjährigen Europawahl zum ersten Mal wieder signifikant gestiegen ist.

Dass die Verhandlungen über die Besetzung des Amtes des Kommissionspräsidenten auch während des G20-Gipfels in Japan von den wenigen dort anwesenden EU-Mitgliedsstaaten weitergeführt wurden, unterstreicht zusätzlich die geringe demokratische Qualität des Prozesses: Statt die Beratungen im Kreise der 28 zu führen, wurde unter den vornehmlich mächtigsten europäischen Regierungen verhandelt. Ein solch anmaßendes Vorgehen führt zu Misstrauen zwischen den Mitgliedstaaten. Es ist nicht im Sinne des europäischen Geistes, dass außerhalb der EU-Institutionen Vorentscheidungen getroffen werden, an deren Zustandekommen nicht alle Mitgliedstaaten beteiligt sind.

Dass die im Europäischen Rat zeitweilig diskutierte Nominierung Frans Timmermans als Kommissionspräsident unter anderem an der Blockadehaltung Polens, Ungarns und Italiens scheiterte, ist angesichts der von diesen Ländern angeführten Begründung in hohem Maße besorgniserregend. So wird dem Argument, Timmermans sei aufgrund der von ihm im Namen der Kommission gegen Polen und Ungarn geführten Rechtsstaatlichkeitsverfahren ungeeignet, indirekt Legitimation verliehen. Dies leistet den rechts-nationalistischen Kräften in der EU Vorschub und schwächt die Glaubwürdigkeit der EU. Der Vorfall zeigt eindrücklich, dass die Zuständigkeit für die Besetzung der Europäischen Kommission beim Europäischen Rat und beim Rat der EU strukturell falsch angesiedelt ist. Denn damit entscheiden Gremien der Mitgliedstaaten maßgeblich mit über die Besetzung jenes Gremiums, dessen Aufgabe es unter anderem ist, die Einhaltung der Verträge durch die Mitgliedsstaaten zu überwachen.

The #IChooseEurope campaign bus arrives in Frankfurt on Wednesday, 10 April 2019 and will host an information stand on Opernplatz (Alte Oper) to convince fellow Europeans to go to vote during the European Elections in May.

#IChooseEurope – proclaim thousands young people across Europe in the framework of a campaign organised by the Young European Federalists (JEF Europe) and their partners for the European Parliament Elections in May 2019. The transpartisan federalist youth organisation calls on all the citizens, regardless of their political colors, to vote in May 2019 for a strong, united and democratic Europe.

As part of the campaign activities, the #IChooseEurope bus will bring young people from different parts of Europe to Frankfurt. At Opernplatz (Alte Oper) on Wednesday, 10 April 2019, from 3 PM till 6 PM citizens are invited to get to know more about the campaign, participate in interactive activities and learn more about Europe and why to vote in the May elections. 

There will also be a public fishbowl debate with representatives and MEP candidates from CDU/EPP, SPD/S&D, Grüne Jugend (Green Youth) and Junge Liberale (Young Liberals) on that same evening starting from 7 PM at Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main (Haus des Handwerks). You can read more about the corresponding event here (in German).

“In less than two months European citizens will be confronted with an important decision – to cast a vote for their common European future, or to stay aside and look how their future is taken away by nationalists and illiberals. Our vision is clear – your vote gives you power to change the course of the debate, do not miss this chance to help creating a better Europe, a better future”, comments Christopher Glück, President of JEF Europe.

JEF Europe, JEF Hessen and JEF Frankfurt are inviting all citizens to join the bus stop and choose Europe.

More about JEF Europe

The Young European Federalists (JEF) Europe is a non-partisan youth NGO with over 13.000 members, active in more than 35 countries. Founded in 1972, the organisation strives towards a federal Europe based on the principles of democracy, subsidiarity and rule of law. JEF promotes true European Citizenship, and works towards more active participation of young people in democratic life.

More about the #IChooseEurope campaign

#IChooseEurope is a part of the European Youth Together: Road to the future project, designed to encourage and strengthen European-oriented youth participation for the European Parliament Elections 2019 and in the longer term for the future of Europe. The initiative is building on a strong coalition of youth and volunteer-led civil society organisations and a network of political stakeholders and regional authorities, and is structured around two phases: the lead-up to the European Parliament elections 2019 and their follow-up after May 2019.

Offener Brief an ARD und ZDF fordert die Übertragung des TV-Duells der europäischen Spitzenkandidaten

Der überparteiliche Aufruf wird unterstützt von den Jungen Europäischen Föderalisten Deutschland als Initiator, den Jugendorganisationen vier großer Parteien, der Europa-Union Deutschland, dem Netzwerk Europäische Bewegung und dem Deutschen Bundesjugendring


Berlin/Hessen, 20. Februar 2019

In einem offenen Brief und starkem proeuropäisch-überparteilichen Schulterschluss wenden sich die Jungen Europäischen Föderalisten Deutschland, die Europa-Union Deutschland, die Europäische Bewegung Deutschland, der Deutsche Bundesjugendring sowie die Parteijugenden Junge Union Deutschland, Jusos Deutschland, Grüne Jugend Deutschland sowie die Jungen Liberalen Deutschland an ARD und ZDF. Sie fordern die Übertragung des europäischen Spitzenkandidaten-Duells zur Europawahl 2019 in ARD und ZDF zur Primetime. Noch immer haben sich die Sendeanstalten zu dieser wichtigen Frage europäischer Demokratie nicht eindeutig geäußert. Die JEF Deutschland hat diesen Brief im Rahmen ihrer Europawahlkampagne initiiert.

Am 26. Mai 2019 ist Europawahl. Die europäischen Parteifamilien und Parteien haben mittlerweile ihre Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten für diese Wahl gewählt. Eine Situation, die es den Wählern erlaubt, nicht nur das Europäische Parlament zu wählen, sondern auch den nächsten Kommissionsvorsitz mitzuentscheiden. Medien spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie bieten den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit der Information über die unterschiedlichen, zur Wahl stehenden Personen und Positionen zur Europawahl.

2014 übertrug Phoenix das europaweite TV-Duell zur Europawahl. Während ARD und ZDF bereits auf eine Anfrage Mitte 2018 zusagten, die Europawahl mit in den Sendeplan aufzunehmen und laut Medienberichten auch ein Duell zwischen Manfred Weber (EVP) und dem Spitzenkandidaten der S&D-Parteifamilie Frans Timmermans planen, blieb die Zusage für eine Übertragung der zentral, europäisch organisierten TV-Duelle zwischen alle Spitzenkandidatinnen und -kandidaten aus. Doch die europaweite Europawahl hat mehr verdient als einen Spartenplatz oder ein separates Duell von lediglich zwei Spitzenkandidaten.

“Gerade vor der anstehenden Europawahl, die bereits jetzt ungleich mehr Beachtung findet als die Europawahl 2014, muss es 2019 deshalb endlich das TV-Duell der Spitzenkandidatinnen und -kandidaten zur Primetime in ARD oder ZDF geben!“, schreiben die Organisationen und Parteijugenden gemeinsam. Bereits 2014 forderten fast 30.000 Menschen die Übertragung in der ARD und dem ZDF zur Primetime. Dazu hatte die JEF Deutschland, auf deren Initiative der Brief zurückgeht, schon damals eine Petition gestartet.


Textlaut des Offenen Briefes:

Sehr geehrter Herr ARD-Vorsitzender Wilhelm,

Sehr geehrter Herr Intendant des ZDF Bellut,

am 26. Mai 2019 ist Europawahl. Die europäischen Parteifamilien und Parteien haben mittlerweile ihre Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten für diese Wahl gekürt. Es kommt jetzt darauf an, für Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit der Information über die unterschiedlichen Personen und Positionen zur Europawahl zu schaffen.

Medien spielen hier eine zentrale Rolle. Wir begrüßen Ihre bereits gemachten Zusagen zu einer ausführlichen europäischen Berichterstattung in 2019. Bei anderen Wahlen in Europa, Bundestags- und Landtagswahlen haben sich allerdings zu Recht TV-Duelle der Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten etabliert. 2014 übertrug bereits Phoenix das TV-Duell zur Europawahl. Bereits 2014 forderten aber fast 30.000 Menschen die Übertragung in der ARD und dem ZDF zur Primetime.

Gerade vor der anstehenden Europawahl, die bereits jetzt ungleich mehr Beachtung findet als die Europawahl 2014, muss es 2019 deshalb endlich das TV-Duell der Spitzenkandidatinnen und -kandidaten zur Primetime in ARD oder ZDF geben!

Vor allem mit Hinblick auf Europa ist es wichtig, die demokratische Meinungsbildung zu fördern. Auf diese Weise werden Wählerinnen und Wähler über die verschiedenen Positionen der Kandidatinnen und Kandidaten informiert. Das ist entscheidend für eine funktionierende Demokratie. Gerade in Zeiten, in denen der politische Dialog zunehmend polarisiert ist und ein Austausch zwischen gegensätzlichen Meinungen nur noch sehr selten stattfindet, hilft ein TV-Duell aller Kandidatinnen und Kandidaten, fundierte Entscheidung zu treffen.

Nur zur Primetime in den beiden größten öffentlich-rechtlichen Sendern wird ein, der Bedeutung des Europäischen Parlaments angemessenes, ausreichend großes Publikum erreicht. Sollte ein Kandidat oder eine Kandidatin das TV-Duell nicht in deutscher Sprache bestreiten können, hilft eine Simultanübersetzung. Wir sind uns sicher, dass eine Simultanübersetzung auch bei den Zuschauerinnen und Zuschauern akzeptiert wäre – wie die Ausstrahlung des European Vision Song Contest zur Primetime zeigt. Die Bedeutung europäischer Demokratie darf nicht von der Sprache ihrer Spitzenkandidatinnen und -kandidaten abhängig gemacht werden!

Als öffentlich-rechtliche Sender haben Sie im Vorfeld der Europawahl 2019 die Chance, aber auch die besondere Verantwortung, mit einem solchen Fernsehduell europäische Geschichte zu schreiben. Wir zählen auf Ihr Mitwirken, die europäische Demokratie zu stärken!

Ihre
Erstunterzeichnerinnen und Erstunterzeichner


Pressekontakt:

Junge Europäische Föderalisten Hessen e.V.
Postfach 16 03 02
60066 Frankfurt am Main

Telefon: 069 – 34 87 80 81
E-Mail: info@jef-hessen.de